Noch einen Tag, dann schließen sich die Kardinäle in der
Sixtinischen Kapelle zur Papst-Wahl ein. Bis dahin haben Handwerker, Techniker,
Köche und Haushälterinnen noch viel zu tun. Vor allem die Sicherheitsexperten
sind gefragt. Denn sie müssen gewährleisten, dass die Sixtinische
Kapelle wanzenfrei ist. Bis zum Eintritt der Kardinäle in die Kapelle
werden sie nach Abhörgeräten suchen - in Bilderrahmen, Steckdosen,
Kruzifixe und vielem mehr.
Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom
Der technische Aufwand, der zurzeit in der Sixtinischen Kapelle betrieben
wird, ist mit dem Besuch eines amerikanischen Präsidenten vergleichbar:
Der Ort des Konklave ist ein Hochsicherheitstrakt, und entsprechend sind
die Vorbereitungen. Die Kapelle wird unter anderem von mindestens zwei
Fachleuten auf versteckte Abhöranlagen und Kameras durchsucht.
Grafik: Vorbereitungsarbeiten
für das Konklave in der Sixtinischen Kapelle]
Und das sei ziemlich schwierig, erklärt Francesco
Polimeni, Ex-Sicherheitsbeamter des italienischen Innenministeriums.
Denn Verstecke gebe es viele: "Das ist eine Frage, die Milliarden Dollar
wert ist, man könnte eine Wanze auch im Inneren eines Kerzenständers
verstecken", sagt Polimeni. "Wir haben schon
mal welche in Bilderrahmen entdeckt, hinter einer Ikone wäre ein guter
Platz, in einer Steckdose, in einem ausgehöhlten Mamorstück oder
in einem Kruzifix. Selbst in Korken von Weinflaschen haben wir schon welche
gefunden."
[Bildunterschrift: Die
Kapelle bietet mannigfaltige Orte, Wanzen zu verstecken]
[Bildunterschrift: Grafik: Wahlurnen
für die Papstwahl]
Das edle Modell: Füllfederhalter mit Wanze
Polimeni ist Fachmann in Sachen Wanzen und
Abhörtechnologie. In seinem sehr diskreten und von außen nicht
einsehbaren Fachgeschäft "spiare.com"
am Stadtrand Roms verkauft er so lustige Dinge wie zum Beispiel Taschenrechner
mit eingebauten Mikrofonen oder verwanzte Kugelschreiber. Für diejenigen,
die es etwas edler mögen, gibt es auch die Version als Füllfederhalter
mit Minisender. Ganz legal übrigens, denn der Verkauf ist in Italien
erlaubt.
Was diese Sender können, demonstriert Polimeni
anhand
eines einfachen Amateurmodells, rund fünf Meter vom Mikrofon entfernt:
"Versteht du mich?" Er flüstert. Die Reichweite zwischen Sender und
der Person, die spricht, hänge stark von dem Mikrofon ab, erklärt
der Experte. "Wenn es extrem hochempfindlich ist, kann man auch noch Gespräche
im Abstand von 20 Metern verstehen."
Wanzensuche auf päpstliche Anweisung
Grafik: Die
sixtinische Kapelle erhält vor dem Konklave einen neuen Schornstein.]
Als Papst aus dem ehemaligen Ostblock hatte wohl
auch Johannes Paul II.seine Erfahrungen mit Abhörtechnologien. Er
selbst war es, der 1996 in der Konstitution "Universi Dominici gregis"
festlegte, dass die Sixtinische Kapelle vor einem Konklave durch zwei Techniker
auf versteckte Wanzen und Kameras durchsucht werden muss. Sicherheitsberater
Polimeni
geht davon aus, dass der Vatikan dafür eigene Leute hat. "Die haben
eine eigene Spezialtruppe", weiß er. Der Vatikan sei zwar der kleinste,
aber auch der mächtigste Staat der Welt. "Die haben sehr wichtige
Geheimnisse, die geschützt werden müssen: Also liegt es auch
in deren Interesse, eigene Fachleute zu haben, die fähig sind, solche
Untersuchungen jederzeit machen zu können."
Polimeni, der auch immer wieder für
die italienischen Behörden arbeitet, demonstriert die Suche mit einer
Art Scanner und einem kleinen Funkmikrofon: "Das ist das Suchgerät,
das ich benutze, um Wanzen zu orten", sagt er. Es knackt. "Einfach ist
die Suche nicht, weil sie immer von der Empfindlichkeit des Mikrofons und
der Stärke des Senders abhängt", erklärt Polimeni.
"Bei einem Sender, der mit niedrigen Frequenzen arbeitet und nur eine schwache
Sendeleitung hat - etwa ein bis fünf Milliwatt -, muss man schon sehr
genau suchen", sagt er. Und wenn man mit dem Suchgerät nicht ganz
nah an den Sender herankomme - etwas fünf bis zehn Zentimeter -, "dann
findet man nichts".
Selbst der CIA hätte keine Chance
Bei einem Zimmer mit 20 Quadratmetern, das nach allen Regeln der Kunst
durchsucht werde, sagt Polimeni, dauere das
etwa eine dreiviertel Stunde - in der Sixtinischen Kapelle möglicherweise
sogar Tage. Außerdem müsse man jeden Tag nachkontrollieren,
sonst würde die Suche keinen Sinn machen. Und wenn man genau genug
gesucht habe, hätte selbst die C.I.A. keine Chance, ein Mikro zu verstecken,
so der römische Abhörspezialist. "Natürlich würden
die das finden, die Sender sind überall auf der Welt gleich. Selbst
wenn die C.I.A ein extrem kleines Mikro verwenden würde - drei mal
fünf Millimeter, also fast unsichtbar -, müsste es immer Radiowellen
austrahlen. Und die kann man entdecken."
Und daher müssen selbst die Geheimdienstler aus aller Welt ab Montag
den Schornstein der Sixtinischen Kappelle im Auge behalten - und warten,
dass Rauch aufsteigt.