17.04.2005
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AuslandVor der Papst-Wahl

Konklave-Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

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Noch einen Tag, dann schließen sich die Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle zur Papst-Wahl ein. Bis dahin haben Handwerker, Techniker, Köche und Haushälterinnen noch viel zu tun. Vor allem die Sicherheitsexperten sind gefragt. Denn sie müssen gewährleisten, dass die Sixtinische Kapelle wanzenfrei ist. Bis zum Eintritt der Kardinäle in die Kapelle werden sie nach Abhörgeräten suchen - in Bilderrahmen, Steckdosen, Kruzifixe und vielem mehr.

Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom

Der technische Aufwand, der zurzeit in der Sixtinischen Kapelle betrieben wird, ist mit dem Besuch eines amerikanischen Präsidenten vergleichbar: Der Ort des Konklave ist ein Hochsicherheitstrakt, und entsprechend sind die Vorbereitungen. Die Kapelle wird unter anderem von mindestens zwei Fachleuten auf versteckte Abhöranlagen und Kameras durchsucht.

Grafik: Vorbereitungsarbeiten für das Konklave in der Sixtinischen Kapelle]
Und das sei ziemlich schwierig, erklärt Francesco Polimeni, Ex-Sicherheitsbeamter des italienischen Innenministeriums. Denn Verstecke gebe es viele: "Das ist eine Frage, die Milliarden Dollar wert ist, man könnte eine Wanze auch im Inneren eines Kerzenständers verstecken", sagt Polimeni. "Wir haben schon mal welche in Bilderrahmen entdeckt, hinter einer Ikone wäre ein guter Platz, in einer Steckdose, in einem ausgehöhlten Mamorstück oder in einem Kruzifix. Selbst in Korken von Weinflaschen haben wir schon welche gefunden."
Vorbereitungen für das Konklave (Foto: REUTERS)Großansicht des Bildes[Bildunterschrift: Die Kapelle bietet mannigfaltige Orte, Wanzen zu verstecken]
[Bildunterschrift: Grafik: Wahlurnen für die Papstwahl]

Das edle Modell: Füllfederhalter mit Wanze

Polimeni ist Fachmann in Sachen Wanzen und Abhörtechnologie. In seinem sehr diskreten und von außen nicht einsehbaren Fachgeschäft "spiare.com" am Stadtrand Roms verkauft er so lustige Dinge wie zum Beispiel Taschenrechner mit eingebauten Mikrofonen oder verwanzte Kugelschreiber. Für diejenigen, die es etwas edler mögen, gibt es auch die Version als Füllfederhalter mit Minisender. Ganz legal übrigens, denn der Verkauf ist in Italien erlaubt.

Was diese Sender können, demonstriert Polimeni anhand eines einfachen Amateurmodells, rund fünf Meter vom Mikrofon entfernt: "Versteht du mich?" Er flüstert. Die Reichweite zwischen Sender und der Person, die spricht, hänge stark von dem Mikrofon ab, erklärt der Experte. "Wenn es extrem hochempfindlich ist, kann man auch noch Gespräche im Abstand von 20 Metern verstehen."

Wanzensuche auf päpstliche Anweisung

Großansicht des BildesGrafik: Die sixtinische Kapelle erhält vor dem Konklave einen neuen Schornstein.]
Als Papst aus dem ehemaligen Ostblock hatte wohl auch Johannes Paul II.seine Erfahrungen mit Abhörtechnologien. Er selbst war es, der 1996 in der Konstitution "Universi Dominici gregis" festlegte, dass die Sixtinische Kapelle vor einem Konklave durch zwei Techniker auf versteckte Wanzen und Kameras durchsucht werden muss. Sicherheitsberater Polimeni geht davon aus, dass der Vatikan dafür eigene Leute hat. "Die haben eine eigene Spezialtruppe", weiß er. Der Vatikan sei zwar der kleinste, aber auch der mächtigste Staat der Welt. "Die haben sehr wichtige Geheimnisse, die geschützt werden müssen: Also liegt es auch in deren Interesse, eigene Fachleute zu haben, die fähig sind, solche Untersuchungen jederzeit machen zu können."

Polimeni, der auch immer wieder für die italienischen Behörden arbeitet, demonstriert die Suche mit einer Art Scanner und einem kleinen Funkmikrofon: "Das ist das Suchgerät, das ich benutze, um Wanzen zu orten", sagt er. Es knackt. "Einfach ist die Suche nicht, weil sie immer von der Empfindlichkeit des Mikrofons und der Stärke des Senders abhängt", erklärt Polimeni. "Bei einem Sender, der mit niedrigen Frequenzen arbeitet und nur eine schwache Sendeleitung hat - etwa ein bis fünf Milliwatt -, muss man schon sehr genau suchen", sagt er. Und wenn man mit dem Suchgerät nicht ganz nah an den Sender herankomme - etwas fünf bis zehn Zentimeter -, "dann findet man nichts".

Selbst der CIA hätte keine Chance

Bei einem Zimmer mit 20 Quadratmetern, das nach allen Regeln der Kunst durchsucht werde, sagt Polimeni, dauere das etwa eine dreiviertel Stunde - in der Sixtinischen Kapelle möglicherweise sogar Tage. Außerdem müsse man jeden Tag nachkontrollieren, sonst würde die Suche keinen Sinn machen. Und wenn man genau genug gesucht habe, hätte selbst die C.I.A. keine Chance, ein Mikro zu verstecken, so der römische Abhörspezialist. "Natürlich würden die das finden, die Sender sind überall auf der Welt gleich. Selbst wenn die C.I.A ein extrem kleines Mikro verwenden würde - drei mal fünf Millimeter, also fast unsichtbar -, müsste es immer Radiowellen austrahlen. Und die kann man entdecken."

Und daher müssen selbst die Geheimdienstler aus aller Welt ab Montag den Schornstein der Sixtinischen Kappelle im Auge behalten - und warten, dass Rauch aufsteigt.